Versteckte Aufrufe? Eine kleine Buchbesprechung.

Stefan Herre unterstützt nun scheinbar arme unbeachtete Autoren. Beachtenswert hieran ist zuallererst, dass er über das dort kostenlos herunterladbare Buch "Tanz der Werte" ca. 5 mal mehr schreibt als in seinen sonstigen Artikeln zum Zeitgeschehen.

Da er normalerweise nicht so schreibfreudig ist, ergibt sich also die Frage, wieso er sich gerade bei dieser Buchvorstellung eine Mühe macht, die ihm sonst selbst bei der Beurteilung von über einer Milliarde Menschen oder der deutschen Politik nicht zueigen ist.

Von daher hat MK sich mal eingelesen und einige recht interessante Stellen gefunden. Im Gegenteil zu den Werbungen Ausführungen Herres ist die eigentliche Hauptaussage des Buches offenbar gerade nicht, warum wir nichts über unsere Werte wissen; vielmehr wird bereits zu Beginn deutlich gemacht, dass die vermeintlich vergessenen Werte nur durch ein gewalttätiges Ereignis wieder in Erinnerung gebracht werden können.

MK zitiert:


Das kontinuierliche Weiterwirken von Werten in einer wertevergessenen Welt.

Unter diesen Voraussetzungen, unter dieser Analyse reifte ein lähmendes Eingeständnis von Ausweglosigkeit heran, in der man sich selber, in der sich offenbar das gesamte Land befand.

Eine Ausweglosigkeit, aus der man das Land und sich selber nun befreien würde.

Es wird eine eruptive Form der Befreiung werden müssen, sollte nicht, wie in diesem Lande ansonsten üblich, alles in fruchtlosem Verfahrensstreit enden.


Auffällig ist zudem, dass der Autor des Buches vermutlich in seiner persönlichen Vergangenheit diverse Schwierigkeiten mit dem weiblichen Geschlecht gehabt haben muss; anders kann es sich MK nicht erklären, warum gerade die Pille und den Frauen fälschlich zugestandene Fähigkeiten unter Vernachlässigung ihrer ursprünglichen, althergebrachten "Fähigkeiten" als Indiz für das Vergessen von Werten bzw. einen Werteverfall angeführt werden.

Zudem lässt sich der Autor Eklat seitenlang darüber aus, wie ungerecht es sei, dass die Partnerwahl ausschließlich durch die Frau durchgeführt wird und der Mann nur hoffen könne, dass die ihn Auserwählende zumindest ein wenig hübsch sei; beeinflussen könne er selber gar nichts. Ganz offensichtlich hat Eklat sehr persönliche unangenehme Erfahrungen machen müssen; aber warum steckt er diese in ein Buch über den allgemeinen deutschen Werteverfall und die Folgen eines Wirtschaftszusammenbruchs; wäre da nicht ein kommentiertes Tagebuch oder ein Besuch beim Psychologen hilfreicher gewesen?

Nach dutzenden von Seiten an Ausführungen über die Biographie der späteren Attentäter und über den Oklahoma Bomber und den Angriff auf das Eigene Wertesystem durch fremde Wertesysteme (gemeint sind natürlich islamistische Terroristen) dann plötzlich dieser Absatz:


Gelingt es nicht, bei uns die verbindenden Werte in den Vordergrund zu stellen, gelingt es nicht, den Menschen die Möglichkeit zu erhalten, sich dieser Werteordnung verpflichtet zu fühlen, so wird es unmöglich sein, mit anderen als den Mitteln der Unterdrückung und Gewalt als Gesellschaft zu überleben.


Es soll dem Leser als weisgemacht werden, dass man nur mit selbst ausgeführter Gewalt gegenüber der eigenen Gesellschaft die eigenen Werte erhalten kann; es sei denn die Gesellschaft (er)kennt die eigenen Werte selbstständig; was ja aber durch das komplette Buch hinweg abgestritten wird.

In einer anderen Textstelle wird (sehr umständlich) die These aufgestellt, dass die durch die deutschen Gesetze geschaffene Gerechtigkeit die Ursache für den vermeintlichen Niedergang des Landes und der Werte ist.


Der Niedergang ist eine Folge der Gerechtigkeit.


Von daher ist es, versucht man sich in den Autor zu versetzen, gar nicht mehr so unlogisch, wenn er meint, seine Protagonisten könnten nur durch Gewalt gegen die eigene Gesellschaft diese retten. Gefährlich ist jedoch, dass diese Gedankengänge über Gewalt, Werteverfall, Gerechtigkeit als Ursache etc, klar erkenntlich Gedankengänge des Autors oder zumindest einer Art Off-Stimme sind; sie sind nicht als Gedanken der Protagonisten gekennzeichnet.

In Anbetracht der Gewaltforderung als Lösung des Werteproblems ist es zudem äußerst fragwürdig, in diesem Zusammenhang mit solcherlei Sätzen zu argumentieren:


Dieser Hitler wird eine einmalige Erscheinung, eine eigenständige historische Dimension bleiben. Dieses Rad war einfach zu groß, um nochmals gedreht zu werden. Es braucht aber keinen Hitler, um erneut in Gewalt zu versinken.


Erwähnenswert ist übrigens für diejenigen, die anhand der Werbung von Herre ein spannendes Buch voller Attentate und Verschwörungen erwarten, dass erst gegen Ende des Buches und auch nur für ein paar wenige Seiten die reale Handlung der Sprengungen und ihre Folgen beschrieben werden.

Es erscheint MK unlogisch, dass sich das zu nahezu allen us-amerikanischen Entscheidungen bekennende Blog PI zu einem Buch bekennt, durch dass sich der rote Faden der immens wichtigen völligen Freiheit und eines Staates mit nahezu keiner Polizei- und Überwachungs- bzw. Ordnungsfunktion zieht; wo doch die USA genau das Gegenteil darstellen.

Was außerdem auffällt ist das ständige Bejubeln Serbiens, so gibt es beispielsweise in dem Buch eine kleine Gruppe von vielleicht 4 Dutzend serbischen Söldnern, anhand derer Professionalität von einer glücklichen Fügung gesprochen wird, dass diese nicht an Kämpfen gegen Deutschland teilgenommen haben. Auch wird auffälig oft wiederholt Milosevic als relativ harmloser, mißverstandener und dem Westen falsch präsentierter Politker dargestellt. Die Gründe dafür liegen im Dunkeln, und wären vielleicht mit einer ausführlichen Biographie des Autors beantwortbar.

Anmerkung von MK: Ob der Autor von "Tanz der Werte" wirklich E. Eklat heisst wie PI berichtet ist fraglich; wahrscheinlicher ist E. Ekat

12.4.07 07:46

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